Jan Kristof Schliep - Tenor

Presse

Besungenes Omlette

Eisfabrik: Studenten zeigen Bizets Wunderdoktor

Für diese Story braucht es normalerweise keinen ganzen Abend. Junger Soldat liebt Mädchen, Eltern sind dagegen, Soldat verkleidet sich als Hausmädchen, vergiftet ein Omelette und kriegt die Liebste am Ende doch. Im Fall von George Bizets Erstlingswerk Der Wunderdoktor kann es aber doch gern einen ganzen Abend dauern. Das fanden einige Studenten der Hochschule für Musik und Theater und studierten die 1856 geschriebene opera bouffe ein. Eine gute Idee.

Im Eissaal der hannoverschen Eisfabrik gelingt Anke Briegel als Laurette, Mareike Morr als Veronique, Kristof Schliep als Soldat, Hausmädchen und Wunderdoktor und Roman Tsotsalas als Podestä ein köstliches Quartett. Zwar machen Mama, Papa, Töchterlein und Geliebter viel Lärm um nichts, aber gerade das will ja in einer musikalischen Komödie gekonnt sein.

In dem mit leichter Hand von Tine Thomas eingerichteten Bühnenbild entfalten die vier grotesk überzogenen Charaktere ein Drama, in dem niemand von seiner exzentrischen Position abrückt. Sonst wäre die Geschichte um den Eierkuchen auch schnell gegessen gewesen. So aberreicht der Kampfgeist der Protagonisten aus, minutenlang höchst dramatisch über den Satz Hier kommt unser Omelette zu tirilieren. Ein herrliches Nichts.

Das alles hat Regisseur Axel Heil fröhlich inszeniert, während Frank Sodemann das kleine Orchester angeregt durch die Partitur lockte. Schön, dass die Minioper endlich wiederentdeckt wurde.

Karin Vera Schmidt in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung vom 8. Juni 2006 über:
Georges Bizet: Der Wunderdoktor in der Eisfabrik Hannover am 6. Juni 2006


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