Wer boshaft ist, gerät in Versuchung, das Stück, das am Sonnabend im Stadttheater Premiere hatte, als
Schmarren zu bezeichnen: Leo Falls Operette Worum geht es? Madame Pompadour, die Mätresse König Ludwigs XV., und ihre Kammerfrau begegnen im Pariser Karneval dem Grafen
René und dem Dichter Calicot. Den Rest kann man sich denken. Jedenfalls nimmt die Sache ein gutes Ende. Warum es sich lohnt, Charme, dafür war in erster Linie das Orchester des TfN zuständig. Der musikalische Leiter Achim Falkenhausen hat einfach
ein Händchen für diese Musik. Das klang leicht und locker, mit wunderschönen Klangfarben, sehr transparent. Stellvertretend
seien die überaus deutlichen Holzbläsersolisten genannt. Wolfgang Lachnitt versucht gar nicht erst, Ausstatterin Ulrike Melnik hat fantasievolle Kostüme im Stil des 18. Jahrhunderts beigesteuert. Witzig die Perücke, die sie
dem kahlköpfigen Dichter Joseph Calicot verpasst. Genau getroffen hat sie die Stimmungen, die das Wirtshaus Denise Pelletier spielt und singt eine Madame Pompadour, die gewinnend, aber auch nachdenklich sein kann, Pelletier zeigt
durchaus den Menschen, der sich hinter der Rolle der Mätresse verbirgt. Und dass sie sich in den liebenswert jungenhaften
René Graf d’Estrades (Daniel Pohnert) verguckt, ist nur zu verständlich. Jan Kristof Schliep als vorzüglicher Joseph Calicot überzeugt in jeder Hinsicht. Dieser Dichter ist mitunter ein Wirbelwind,
der sogar Rad schlagen und trotz seines körperlichen Einsatzes auch noch gut singen kann. Bei alledem lässt Schliep den
Calicot nicht zum albernen Possenreißer verkommen. Und auch da ist es kein Wunder, dass sich eine Frau in ihn verliebt,
in diesem Fall ist das die durchaus reizvolle und ansehnliche Belotte, die Kammerfrau der Marquise (Patrizia Herborn). Piet Bruninx kann sein komödiantisches Talent als geistesschlichter König Ludwig XV. ausspielen. Uwe Tobias Hieronimi
karikiert den Polizeiminister Maurepas, Klaus-Dieter Jüngling als Spitzel Poulard erinnert mit seinem sympathischen Humor
an Eddi Arent in den Edgar-Wallace-Verfilmungen der 1960er Jahre. In kleineren Rollen gefielen dem Publikum – der Applaus bewies es – Luise Hecht als Madeleine, Bernd Langhammer als Wirt,
Atsushi Okumura als Haushofmeister Collin, Wojciech Mastalerz als Hofmaler Boucher, Thomas Pokorra als österreichischer
Gesandter, Stephan Freiberger als Leutnant, Agnes Buliga-Contras als Caroline, Jin Young Chae als Leonie, Olga Orlowska
als Valentine, Dayne Frost als Amélie sowie Hyeh Young Baek, Friederike Verfürth und Alexandra Söchtig als drei Zofen.
Achim Falkenhausen hatte auch den Chor sorgsam einstudiert. Mit von der Partie war außerdem die Statisterie des TfN. Ein kurzweiliger Abend. Und vor allem: ein vergnüglicher. Andreas Bode in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung
vom 19. November 2007 über:Gute Unterhaltung!
Wolfgang Lachnitt inszeniert am Theater für Niedersachsen eine
Madame Pompadour
voller Tempo, Witz und Charme
Madame Pompadour
. Und wer so urteilt, liegt ja auch gar nicht unbedingt
daneben.Madame Pompadour
aufzuführen, dafür lieferten das Ensemble des
Theaters für Niedersachsen (TfN) und Regisseur Wolfgang Lachnitt gleich mehrere Argumente: Die einschließlich Pause
gut zweieinhalbstündige Aufführung hatte Tempo, Witz und Charme.Madame Pompadour
in irgendeiner Weise zu problematisieren, sondern er nimmt
das Stück als das, was es ist: gute Unterhaltung. Und die hat bei ihm ganz schön Schwung. Er und Falkenhausen lassen fast
vergessen, dass das, was so leicht aussieht und sich so leicht anhört, das Ergebnis harter Arbeit ist …Zum Musenstall
,
die Gemächer der Madame Pompadour und das Arbeitszimmer des Königs ausstrahlen.
L. Fall:: Madame Pompadour
am 17. November 2007 im TfN • Theater für Niedersachsen
(Hildesheim)