Für Überraschungen ist der Tenor Kristof Schliep immer gut. Auch wegen seiner Vielseitigkeit. Er kann nämlich nicht nur
singen, sondern beherrscht beispielsweise auch die Kunst des Feuerspuckens. Die zeigte er - es liegt schon etliche Jahre
zurück - einmal an der Niedersächsischen Staatsoper Hannover einem Regisseur. Nur war vergessen worden, vorher der Feuerwehr
Bescheid zu geben, die promt ausrückte und plötzlich mit einem kompletten Löschzug vor dem ehrwürdigen Gebäude stand. Hans-Peter Lehmann, zu jener Zeit Hausherr der Staatsoper, konnte sich noch bestens daran erinnern, als er Schliep wiedersah.
Und zwar in Hildesheim, im vergangenen Jahr. Lehmann inszenierte am Stadttheater Hans Werner Henzes Oper Hildesheimer Theaterbesucher kennen Schliep auch als Koloman Zsupán in Emmerich Kálmáns Schliep stammt aus Herdecke/Ruhr. Der Pastorensohn wuchs in Bremerhaven auf, die Familie zog später nach Hannover. Mit fünf
Jahren begann er, Blockflöte zu spielen. Immerhin hat ihm das dazu verholfen, dass er eher Noten als Buchstaben lesen konnte.
Später erlernte er Querflöte, brachte sich selber Gitarrespielen bei, und Mit 14 fand Schliep Interesse an etwas ganz anderem: am Jonglieren. Und so kurios es klingt, durchs Jonglieren kam der Anstoß,
Sänger zu werden. Naja, ein paar Ecken hat's schon noch gebraucht. Als 17-Jähriger hatte er nämlich sein erstes Engagement an
der Staatsoper Hannover - als Jongluer und Feuerspucker in Heinz-Lukas Kindermanns Inszenierung der Smetana-Oper Nach dem Abitur und dem Zivildienst in einer Blindenschule - auch da hat er viel Musik gemacht - begann er an der Universität Hannover
sowie an der Hochschule für Musik und Theater Hannover ein Lehramtsstudium, und zwar für das Lehramt an Sonderschulen mit den Fächern
Musik und Deutsch. Allerdings hat er Das tat er dann auch, von 1999 bis 2006 an der Hochschule für Musik und Theater, bei Gerhard Faulstich. Und vor allem, er verspührte
Nach seiner ersten Station in Lübeck und Gastverträgen am Stadttheater Hildesheim hat der Spieltenor - der durch die Terrasse seiner
neuen Wohnung in der Hildesheimer Fußgängerzone das Gärtner als so eine Art Hobby entdecken sollte - jetzt am TfN den ersten festen Vertrag.
Zu hören ist er in dieser Spielzeit als Borsa in Verdis Andreas Bode in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung vom 14. September 2007Singen ist was Schönes
Neu im Ensemble des TfN: Tenor Kristof Schliep ist auch Artist und noch viel mehr
Der junge Lord
,
in der Schliep den Professor von Mucker sang.Gräfin Mariza
. Bald werden
sie ihn häufiger zu sehen und zu hören bekommen, bisher war er Gast, und: Jetzt wollte man mich fest haben
, sagt der
33-Jährige. Man
ist nun nicht mehr das Stadttheater, sondern das Theater für Niedersachsen (TfN).Gesang lief nebenher
, im Kinderchor der
Musikschule Hannover. Selbstverständlich hat er auch mal in der Kirche was gesungen
, aber die Instrumente standen im
Vordergrund
.Die verkaufte
Braut
. Elf Spielzeiten blieb er dem Haus treu, war Akrobat und Gaukler in Verdis Don Carlos
, jongliernder Kellner in
Ligetis Le Grand Macabre
, Schwertkämpfer, Jongleur und Akrobat in Coriglianos Ghosts of Versailles
sowie Bademeister
- es handelte sich um eine stumme Rolle - in Offenbachs Orpheus in der Unterwelt
. Mehr und mehr ist ihm klar geworden:
Singen ist was Schönes
, erzählt Schliep.die sechs Semester nicht genutzt, um Lehrer zu werden, sondern ich habe mich mit dem Gedanken
vertraut gemacht, Gesang zu studieren
.den Drang zur Bühne
. Denn die Bühne verbindet alles, was ich vorher getan habe
. Also Gesang und Aristik - er war
beispielsweise auch sechs Jahre am pädagogischen Projekt Circus Luna
beteiligt, noch immer hat er Auftritte als Artist mit
dem Ensemble Fette Schnecke
, parallel dazu widmet er sich der Travestie und Zauberei, singt Chansons der 20er bis 40er Jahre ...Rigoletto
, Joseph Calicot in Falls Madame Pompadour
und Junker Spärlich
in Nicolais Die lustigen Weiber von Windsor
. Nur zur Beruhigung ängstlicher Gemüter: Die Feuerwehr ist bei jeder Vorstellung im Haus ...