Es war Engelbert Humperdincks größter und immer wieder Freude bringender Erfolg, nach den Ideen seiner Schwester Adelheid Wette aus dem Märchen der
grbrüder Grimm diese bedeutende Oper zu komponieren. Das fanden am Donnerstag nicht nur erkennbar 540 begeisterte Zuschauer, auch die vierjährige Lilly aus St. Andreasberg verfolgte das spannende
Geschehen um Hänsel und Gretel mit der bösen Hexe in höchster Konzentration und Spannung. Es war ja auch ein märchenhafter Genuß: Schaurig-schöne Bühnenbilder in waberndem Nebel oder auch gefährlich wirkendem Rauch, große Bäume,
die sich hin und her bewegten, fröhliche Naturgeister und vierzehn ganz liebe Schutzengel verhalfen der bekannten Geschichte zu einem guten Ende
für die Familie des Besenbinders. Obwohl es zwischendurch schon mal richtig gefährlich aussah, als die böse, aber zum Glück alte und fast blinde Hexe mit ihrem
Zauberstab bei gruseligem Licht die Kinder bannen und braten wollte ... Das Ensemble des TfN Hildesheim (Theater für Niedersachsen), hier bestens durch die Kaiserpfalzkonzerte bekannt, gefiel rundum, sowohl in der brillanten
schauspielerischen Leistung vor allem der Hauptakteure. Verena Usemann als Hänsel und Antonia Radneva als Gretel, die beiden ihre Sopranparts
authentisch auslebten und im Duett besonders gut wirkten. Uwe Tobias Hieronimi als Vater und Christine Köhler als Mutter hatten zwar nur wenige Szenen, kamen aber sehr real rüber, wobei besonders Hieronimis
Bariton gefiel. Die Besetzung der Hexe mit einer Tenorstimme ist hier durchaus adäquat, zumal Jan Kristof Schliep im oberen Tonbereich bis hin
zum Diskant problemlos agierte. Höchstleistungen vollbrachte Anja Bihlmaier mit der musikalischen Leitung des Orchesters und der Bühnensänger bei der naturbetonten und oft
himmlisch schönen Musik. Anklänge an die Romantik von Humperdincks Lehrer Joseph Gabriel Ritter von Rheinberger oder auch an den Operntitan Richard Wagner
sind unverkennbar. Und doch: Humperdinck pflegt einen ureigenen Stil, gerade in der Behandlung der drei bekannten Volksweisen Langer, begeisterter Beifall und häufiger Zwischenapplaus belohnte die mehr als 30 Akteure des Theaters für Niedersachsen. Joachim Dürich in der Goslarschen Zeitung
vom 30 November 2009 über:Langer Beifall für brillante Schauspieler und Sänger
Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“ geht im Odeon-Theater vor 540 begeisterten Besuchern über die Bühne
Suse, liebe Suse
,
Ein Männlein steht im Walde
und Schwesterlein, hüt' dich fein
.
E. Humperdnick: Hänsel und Gretel
am 26. November 2009 im
Engelbert Humperdinck, der von 1854 bis 1921 lebte, war ein durchaus produktiver Komponist. Von ihm stammen 60 Werke, darunter Lieder,
Kammermusik, Kompositionen für Orchester, Schauspielmusiken und Opern. Geblieben aber ist – einmal abgesehen von den Königskindern
,
die gelegentlich auf dem Spielplan des Musiktheaters zu finden sind, 1996 auch am damaligen Stadttheater Hildesheim – allein die Märchenoper
Hänsel und Gretel
, uraufgeführt am 23. Dezember 1893 in Weimar unter der Leitung von Richard Strauss.
Das Datum der Uraufführung mag auch der Grund dafür sein, dass Hänsel und Gretel
als die Weihnachtsoper schlechthin gilt,
obwohl sie ja mit Weihnachten überhaupt nichts zu tun hat. Generationen von Kindern haben durch dieses Werk die musikalische Gattung Oper
kennengelernt und sind ihr treu geblieben. Der Märchenstoff – die armen Geschwister werden von der Mutter in den Wald geschickt, dort Beeren
zu suchen, sie verirren sich, treffen auf eine böse Hexe, die in einem Knusperhäuschen wohnt, und am Ende wird alles gut – erschließt sich ja
auch Kindern. Erwachsene werden an dem Werk in der Wagner-Nachfolge eher die Genialität der Komposition bewundern.
Am damaligen Stadttheater hatte Hänsel und Gretel
in Reto Nicklers Inszenierung 2005 Premiere. Nach einer Wiederaufnahme ein Jahr
darauf gab’s nun im selben Haus, das inzwischen vom Theater für
Niedersachsen (TfN) bespielt wird, die zweite Wiederaufnahme. Von der ursprünglichen Besetzung ist dabei lediglich Uwe Tobias Hieronimi
übrig geblieben, damals wie heute ein trefflicher Besenbinder.
Ludmilla Heilig hat Reto Nicklers phantasievolle und intelligente Inszenierung, in der Ausstatter Frank Lichtenberg einen lebenden, sich bewegenden Wald auf die Bühne gezaubert hatte, neu eingerichtet: Traumeswirren im deutschen Wald. Dabei ist es ihr gelungen, den Geist der Inszenierung zu bewahren. Einige Vereinfachungen sind den geplanten Abstechern des TfN geschuldet: Die kleineren Häuser, an denen das Werk außer in Hildesheim aufgeführt werden soll, verfügen nun mal nicht über eine Bühnentechnik wie das Stadttheater.
Was das Musikalische angeht, es hätte manchem größeren Haus zur Ehre gereicht. Verena Usemann – wunderbar bei Stimme – ist ein erfrischend, gleichwohl niemals übertrieben burschikoser, natürlicher Hänsel, Antonia Radneva – mit sehr ausdrucksvollem Piano – eine zu Herzen gehende, hochmusikalisch gestaltete Gretel: in der Tat Kinder und keine kleinen Erwachsenen. Und das gelingt, weil Verena Usemann und Antonia Radneva beste Stimmkultur mit musikalischer und schauspielerischer Intelligenz verbinden.
Christine Köhler charakterisiert die bisweilen keifende, bisweilen verzweifelte Mutter vorzüglich. Jan Kristof Schliep legt die Knusperhexe weniger als raunendes Wesen aus einer anderen Welt an. Gerade dadurch gestaltet er eine glaubhafte Figur, stimmlich überzeugend wie auch Anna Evans als Sandmännchen und Taumännchen.
Wolfgang Wengenroth hat sich intensiv mit der Partitur auseinandergesetzt – er verhilft etwa Nebenstimmen zu ihrem Recht, die bei anderen Aufführungen zumeist kaum zu hören sind –, aber sein Dirigat hat nichts trocken Akademisches. Vielmehr lässt er das Orchester des TfN in romantischen Klängen schwelgen, mit markantem, aber zugleich kultiviertem Blech.
In einer solchen Interpretation vermag Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel
Kinder zu entzücken. Und die, die mit
diesem Werk musikalisch aufgewachsen sind, werden es noch mehr lieben.
Andreas Bode in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung
vom 28. Oktober 2008 über:
E. Humperdnick: Hänsel und Gretel
am 26. Oktober 2008 im