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Von wegen verzopft: Das Musiktheaterensemble des Theaters für Niedersachsen (TfN) interpretierte Albert Lortzings komische
Oper Zugegeben, das Libretto ist eher schlicht: Zar Peter I. arbeitet, um sein Heimatland wirtschaftlich voranzubringen, inkognito als Zimmermann auf der Werft im holländischen Saardam. Als er von Unruhen in seiner Heimat hört, will er sofort abreisen, wird jedoch vom französischen Gesandten als Zar erkannt. Der wichtigtuerische Bürgermeister van Bett hingegen hält den russischen Zimmermann Peter Iwanow, der van Betts Nichte Marie liebt, für den Zaren. Nach etlichen Verwirrungen - die Aufführung dauert knapp zwei Stunden und 45 Minuten - geht die Sache gut aus: Der Zar gibt sich zu erkennen, Peter Iwanow und Marie finden ihr Glück. Schlicht muss nicht schlecht heißen. Das Stück, das in Hildesheim zuletzt vor 23 Jahren zu sehen war, ist theaterwirksam und hat nach so langer Zeit eine Überprüfung verdient. Bei einem solchen Libretto - es stammt übrigens vom Komponisten, der ein exzellenter Theaterpraktiker gewesen ist - gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Eine Möglichkeit ist, das Werk so zu spielen wie - möglicherweise - zur Zeit seiner Uraufführung 1837. Bei dieser Lösung - nennen wir sie: Theatermuseum - stellt sich die Frage, was das mit uns Heutigen zu tun hat. Weitere Möglichkeiten sind Ironisierung und Aktualisierung um jeden Preis. In ungünstigen Varianten haben solche Versionen nur noch am Rande mit dem Stück zu tun. Der Regisseur Werner Pichler und der Ausstatter Steffen Lebjedzinski haben für das TfN eine Aufführungsmöglichkeit erarbeitet,
die Charme besitzt: Sie nehmen den Begriff Spieloper - und nichts anderes ist |
Liebe mit Hindernissen: Peter Iwanow (Jan Kristof Schliep) und Marie
(Regine Sturm) |
Pichler und Lebjedzinski verdeutlichen mit diesem Konzept, dass Zar und Zimmermann
Spiel, pure Unterhaltung ist.
Wobei überdimensionale Karten mit Aufschriften wie Seien Sie klug und weise!
und Freies Geleit nach Moskau!
den
Spielcharakter ebenso unterstreichen wie Spielstein-Schiffsformen, mit denen die Werftarbeiter hantieren.
Allein, mitunter ist's des Guten zu viel. Wenn etwa van Bett sich lobt, er sei klug und weise und ihn betrüge man nicht,
leuchten die Fragezeichen im Spiel auf, wenn's um Frankreich geht, das Feld Hotel Bellevue
. Und der eifersüchtige
Peter Iwanow muss - wie eine Leuchttafel belehrt - in die Schmollecke. Weniger ist halt manchmal mehr ...
Das gilt zum Glück nicht für Uwe Tobias Hieronimis van Bett. Hieronimi gestaltet den blasierten Bürgermeister als Karikatur
eines Politikers und zeichnet dabei ein genaues Charakterbild, schlägt aber - und gerade das ist ja die Kunst - bei allem Humor
niemals über die Stränge. Und es hat einen eigenen Humor, wenn der Herr Bürgermeister in seinem Küchenlatein die Wortschöpfung
Homo sarrazinius
zum Besten gibt ...
Die Rolle des Zaren ist mit Timothy Sharp glänzend besetzt. Wie er etwas das Rezitativ und die Arie Verraten! Von Euch
verraten - Die Macht des Szepters
mit einer Spannbreite von Zorn bis Melancholie gestaltet, in Sonst spielt' ich mit
Szepter, mit Krone und Stern
an keiner Stelle schmalzig oder abgeschmackt wird, das hat höchstes sängerisches Format.
Jan Kristof Schliep, der ja nicht nur ein vorzüglicher Sänger, sondern auch ein begnadeter Schauspieler ist, erweckt Sympathie für seinen Peter Iwanow, dem das Glück nur zu gönnen ist. Regine Sturm siedelt die Marie souverän zwischen kokett und Mädchen vom Lande an. Beeindruckend und glänzend bei Stimme Christian S. Malchow als französischer Gesandter Marquis von Chateauneuf. Achim Falkenhausen hat den hervorragend singenden, mitreißenden und differenziert singenden Chor einstudiert.
Das Orchester des TfN - Generalmusikdirektor Wernder Seitzer leitete diese Eröffnungspremiere der neuen Saison - spielte mit feinen dynamischen Schattierungen, durchsichtig, mit prägnanter Artikulation und liebenswürdig.
Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Beifall und Bravorufen. Und wer meint, deutsche Spieloper habe auf der Bühne nichts
mehr verloren, sollte sich im TfN Zar und Zimmermann
ansehen und anhören. Er wird seine Meinung revidieren.
Andreas Bode in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung
vom 6. September 2010 über:
Zar und Zimmermann
am 4. September 2010 im TfN • Theater für Niedersachsen
Zar und Zimmermannkommt am TfN farbenfroh, heiter und augenzwinkernd daher
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Der Auftakt ist gelungen! Nach gut zweieinhalb Stunden wurde die Premiere der musikalischen Spielzeit am Theater für Niedersachsen (TfN) am vergangenen Samstag mit jubelndem Applaus im ausverkauften Haus gefeiert. Albert Lortzings „Zar und Zimmermann“ stand auf dem Programm. Eine Komische Oper, die 1837 uraufgeführt wurde und seitdem als beliebteste Komposition Lortzings gilt. Da hatte der Leiter des Musiktheaters, Werner Seitzer, mal wieder ein glückliches Händchen. Und er besetzte die Rollen so, dass es eine Freude ist, dem Abend zu folgen. Der Inhalt der Oper ist historisch unterlegt, gehört aber zu den einfacheren Herausforderungen. Lortzing hat alles im Libretto verpackt, was den Stoff eines abwechslungsreichen Stücks ausmacht: Liebe, Eifersucht, Verwechlungsspiel, politische Intrigen, Blasiertheit und Gesten des Verzeihens. Handlungort ist eine holländische Werft, auf der Russlands Zar Peter der Große, verkleidet als Zimmermann, technisches Knowhow für sein Land erwerben möchte. Da gleichzeitig ein russischer Zimmermann, der ebenfalls Peter heißt, auf der Werft arbeitet, kommt es zur Verwechslung, als der Bürgermeister des Ortes, van Bett, die Order erhält, nach einem Russen zu suchen. |
Das ganze Leben ist ein Spiel - auch und gerade in der TfN-Oper |
Gleichzeitig versuchen Abgesandte der Kronen aus Frankreich und England, die Gelegenheit beim Schopfe zu packen und ein Bündnis mit dem Zaren zu schmieden. Das gelingt schließlich dem Franzosen, der Engländer setzt auf den Bürgermeister, der wiederum den falschen Peter für den Zaren hält. Gewürzt wird das Spiel der politischen Plänkelei durch die Liebesbeziehung, die der echte Zimmermann Peter zu Marie, der Nichte des Bürgermeisters, unterhält. Am Ende steht ein Happy End, das die Liebe siegen lässt, Dummheit und Selbstüberschätzung der Lächerlichkeit preis gibt.
Das alles wird in der TfN-Inszenierung getragen vom souverän spielenden Orchester unter Seitzers Leitung, von einem Chor, der brilliert mit
seinem musikalischen Können und seiner Darstellungsfreude. Und von einem Solistenensemble, das sowohl stimmlich als auch spielerisch überzeugt.
Timothy Sharp gibt den Zaren alias Peter Michaelow zunehmend stimmlich überzeugend. Vor allem in dem an die Unbeschwertheit der Kindheit erinnernden
und die Last des Regierens bejammernden Lied Sonst spielt ich mit Zepter, Krone und Stern…
ist er gut anzuhören. In der Darstellung aber –
gemessen an der Größe der historischen Gestalt Peter I. – bleibt er zu verhalten. Nur in seinem zur wahren Action-Szene ausufernden Auftritt,
als er sich gegen seine Verhaftung wehrt, wird etwas von Kraft und Stärke der Person des Zaren deutlich. Jan Kristof Schliep ist Peter Iwanow,
der aus der russischen Armee entflohene Zimmergeselle. Als verliebter Werber um Marie hat er den eifersüchtigen und etwas tollpatschigen Part
zu spielen. Mit seinem hellen Tenor und nachvollziehbarem sympathischen Rollenspiel erhielt er viel Beifall. Die Marie wurde von Regine Sturm mit
brillanter Stimme und keckem Spiel ebenso sympathisch dargestellt. Die Paraderolle in Lortzings Oper ist der Bürgermeister van Bett. Wer könnte
ihn in Hildesheim wohl besser wiedergeben als der Publikumsliebling Uwe Tobias Hieronimi. Neben ihm hat es auf der Bühne wohl jeder schwer. Mit
stimmlicher Klarheit, ironischem Spiel und souveränen Gesten kostet er geradezu die Rolle aus, die Regisseur Werner Pichler so ironisierend
angelegt hat, dass es fast des Guten zu viel ist. Schließlich überzeugte Christian S. Malchow als französischer Gesandter und trug mit dem zur
Hitliste der Oper gehörenden Lied „Lebe wohl, mein flandrisch Mädchen…“ zu einem der Höhepunkte des Abends bei.
Genial das Bühnenbild von Steffen Lebjedzinski: Auf einem großen, dem Monopoly nachempfundenen Spielbrett agiert das Ensemble. Bausteine in Schiffsform lassen sich so einsetzen, dass sie sowohl als Schiffskörper, Mauersteine, Sitzgelegenheiten, Rednerpulte, Wurfgeschosse und letztendlich als Thron des Zaren fungieren. Mit Lichtfeldern wird dem Publikum zusätzlich der jeweilige Standort angezeigt. Das ironische Element der Inszenierung wird durch zusätzliche Bretter-Imitationen verstärkt, die nicht nur als Podeste, sondern mit Aufschriften, die Liedtexte oder Handlungen zusätzlich kommentieren oder mit großen Fragezeichen infrage stellen, auch das letzte mögliche Missverständnis im Publikum beheben sollen. Dieses didaktische Element zeigt sich auch in den Kostümen, die in den Landesfarben der jeweils handelnden Personen gehalten sind. Insgesamt eine Inszenierung, die ganz auf Spiel setzt, Spaß macht, witzig ist und modern, also alles hat, was auch einem jugendlichen Publikum zur Unterhaltung dient.
Ute Meister im Kehrwieder am Sonntag
vom 12. September 2010 über:
Zar und Zimmermann
am 4. September 2010 im TfN • Theater für Niedersachsen
Zar und Zimmermannbegeistert mit frischer Inszenierung im Odeon-Theater
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Was kann daraus werden, wenn ein russischer Zar sich auf Reisen begibt, um zu lernen? Wenn Peter der Große sich 1697 inkognito ins holländische Zaandam aufmacht, unterwegs auch den Hart und seine Hütten und Bergwerke besucht, und an der Nordseeküste die Kunst des Schiffbaus erlernen will? Eine schöne und die erste deutsche komische Oper aus der Feder vom Dichterkomponisten Albert Lortzing.
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Ein überraschendes, beziehungsreiches Bühnenbild sowie ein prächtig agierendes
Ensemble begeisterte das Publikum in Albert Lortzings |
Albert Lortzing, Musiker, Textdichter und Komponist, wusste als gelernter Schauspieler genau, wie er sein Publikum begeistern konnte. Zur Uraufführung 1837 stand er selbst mit auf der Bühne. So ist es kein Wunder, dass die Musik in der Gestaltung des TfN-Orchesters sowie des Opern- und Extrachores unter der Leitung von Matthias Wegele einfach Spaß machte. Leicht, spritzig und locker wurde da gestaltet, kleine Geigenausrutscher inbegriffen. Roman Tsotsalas gab einen eher zurückhaltenden, aber sympatischen Zaren, sein Verwechslungsgegenüber, der Zimmerergeselle Peter Iwanow, wurde vom warmherzig agierenden, streckenweise rührenden Jan Kristof Schliep verkörpert. Regine Sturm in der Rolle der Marie, seiner Auserwählten behielt stets die Zügel in der Hand, brachte enorme Präsenz mit auf die Bühne. Ein vergnüglicher Abend, der viel Applaus der über 500 Besucher brachte.
Karsten Jelinski in der Goslarschen Zeitung
vom 1. Oktober 2010 über:
Zar und Zimmermann
am 29. September 2010 im Odeon-Theater Goslar
Viel Witz bei Albert Lortzings komischer Oper Zar und Zimmermann
: Das Theater für Niedersachsen
präsentierte am Freitag im Haus am Klieversberg die Verwechslungskomödie um den als Zimmermann verkleideten Zaren in der Inszenierung Werner
Pichlers als gelungenen Spaß voller prächtiger Einfälle.
Steffen Lebjedzinski verlegte die im niederländischen Saardam angesiedelte Geschichte auf ein Monopoly-Brett mit unterschiedlich verwendbaren Bausteinen. Lichtfelder zeigen die jeweiligen Schauplätze an, überdimensionale Tafeln lieferten weitere augenzwinkernde Hinweise auf Handlung oder Liedtexte.
Timothy Sharp war ein sängerisch überzeugender Peter der Große voller Kraft und Wehmut (Eins spielt ich mit Zepter, mit Krone und Stern
).
Jan Kristof Schliep gab mit tenoralem Schmelz den eifersüchtigen Zimmergesellen, der mit Marie (entzückend keck: Meike ALbers) in eine
glückliche Zukunft blickt.
Der Paraderolle des wichtigtuerischen Bürgermeisters van Bett verlieh Uwe Tobias Hieronimi stimmlichen Glanz und satte Komik. In weiteren Rollen überzeugten Christian S. Malchow, Dorothee Schlemm, Daniel Dropulja und Piet Bruninx. Von hoher Qualität waren auch Chor und Orchester.
Wolfsburger Allgemeine Zeitung vom 17. Januar 2011 über:
Zar und Zimmermann
am 14. Januar 2011 im Theater Wolfsburg